Die Ceelen’schen Mühlen am ‚Frechener Bach’

In der Mitte mit Buch: Landrat Werner Stump, daneben Autor Volker Schüler und rechts der Vorsitzende des Frechener Geschichtsvereins, Franz-Josef Kiegelmann. Dessen Verein zu diesem Anlass dem MVRER beigetreten ist.

Alte Frechener erinnern sich noch daran, daß an der Dürenerstraße gegenüber der Kirche St. Severin ein Mühlenteich (‚Zepchensweiher’) und das ‚Ölmühlen Pfädchen’ lagen. In Vergessenheit geraten ist in diesem Zusammenhang der Name ‚Ceelen’. Neue Forschungen belegen jetzt, daß die vor 1800 aus Holland eingewanderte Familie Ceelen über vier Generationen im Frechener Oberdorf und unterhalb der späteren Brikettfabrik ‚Sibylla’ eine Getreide- bzw. eine Ölsaat-Mühle betrieben hat. Genauso lange, nämlich etwa 100 Jahre, prozessierte diese Familie gegen das Braunkohlenwerk wegen Verschmutzung des ‚Frechener Baches’ durch die Einleitung von Grubenwässern oder das Trockenfallen der Quellen durch die Ausweitung der Kohlenförderung im Tagebau. Streit gab es auch über das Wasserrecht und um die Erstattung der Kosten für die Entschlammung des Mühlenteiches. Die Ceelen’sche Ölmühle stand wahrscheinlich bereits ab 1860 still, die Mehlmühle war ab 1895 nicht mehr in Betrieb. Das Mahlwerk wurde ausgebaut und das Gebäude noch für einige Jahre als Kontor der örtlichen Steinzeugfabrik ‚Rhenania’ genutzt. Die Gerichtskosten verschlangen das früher nicht unbeträchtliche Vermögen der Müllerfamilie. Weitgehend verarmt, zogen die Enkel und Urenkel des Wilhelm Ceelen nach Köln. Dort verliert sich ihre Spur in den 1920er Jahren. Andere Sippenmitglieder heirateten in wohlhabende Familien ein, deren Spuren noch heute in der Frechener Stadtgeschichte auszumachen sind.

Eine Veröffentlichung der "dbh-Reihe" "Materialien zur Geschichte an Rhein, Erft und Rur" und der 2. Band der Reihe "Studien zur Geschichte an Rhein und Erft". Die Veröffentlichung von Volker Schüler ist mit Unterstützung des Mühlenverbandes entstanden und über den Buchhandel und die Geschäftsstelle zu bestellen.   

 

Schutzgebühr: 5 Euro + Versandkosten

Konzept für ein Zentrum zur Mühlendokumentation im REK

2006 wurde die Arbeit für die Einrichtung eines Dokumentationszentrums für die Mühlen im Rhein-Erft-Kreis (REK) von Gabriele Scholz erarbeitet und 2007 als digitales Veröffentlichung der Humboldt - Universität in der Reihe: Berliner Handreichungen zur Bibliotheks-und Informationswissenschaft veröffentlicht. Mit freundlicher Genehmigung der Humboldt-Universität zu Berlin kann die Arbeit hier herunter geladen werden.

 

Aufbau und Einrichtung eines Dokumentationszentrums
über die Wasser- und Windmühlen im Rhein-Erft-Kreis“
(Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Bd. 197).

Historische Mühlen im Konflikt mit neuzeitlicher Landschaftsgestaltung

Die Aufgaben des Rheinischen Mühlendokumentationszentrum (RMDZ) 

Gabriele Scholz

erschienen im Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins, Band 4, 2008, S. 125 - 130

Auszug: Mühlen wurden — ob nun als Wasser angetriebene Maschinen oder vom Wind bewegte Einrichtungen — zur Bewältigung und Erleichterung der Tätigkeiten im menschlichen Alltag seit Jahrtausenden eingesetzt. Mühlen mahlten nicht nur Korn zu Mehl, sie hämmerten, stampften, pochten, schnitten, schliffen, sägten, betrieben Pumpen, legten Sümpfe trocken und fachten Schmelzöfen an.  

Mühlen haben sehr früh in Naturräume eingegriffen und mit ihren technischen Anlagen eine historisch gewachsene Kulturlandschaft entstehen lassen, die heute schützenswert ist.

[...] Das Rheinland mit seinen zahllosen Gewässern gab Raum für eine vielseitige Mühlenlandschaft. Im Jahr 1840 bestanden im Kölner Bezirk 422 Wassermühlen, 40 Windmühlen, 11 Rossmühlen und 2 Dampfmühlen zur Getreideverarbeitung. vier funktionstüchtige Wassermühlen am Frechener und am Bachemer Bach in der Literatur benannt. Ob nun notwendige Bachregulierungen zum Schutz vor Hochwasser oder die Nutzung neuer Energiequellen für den Betrieb von Industriemühlen: Ab Ende des 19. Jahrhunderts begann der schleichende Niedergang der Wasser- und Windmühlen.

Die Renaissance der Mühlenkultur jeweils nach den beiden Weltkriegen i m 20. Jahrhundertdauerte jeweils nur wenige Jahre bis zur Normalisierung der Lebensverhältnisse. Mit dem Mühlenstilllegungsgesetz von 1956 endete dann die Ära der Kleinmüllerei auch in unserer Region. Die Mühlen schlossen für mehrere Jahrzehnte ihre Türen. Manche verschwanden ganz aus dem Landschaftsbild, andere verfielen, da die technischen Anlagen nicht mehr genutzt wurden und manche verloren ihre Geschichte und ihr Aussehen durch Umwidmung zum Wohnraum. Bedingt durch ihre Lage vermitteln heute die mehr oder weniger erhalten gebliebenen Mühlen ein Stück ‘gute alte Zeit’. Sie stehen damit ungewollt im Konflikt mit neuzeitlicher Landschaftsinterpretation und moderner Landschaftsgestaltung.  

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