11. May 2015

Mühlenausstellung Grevenbroich bis 23.8.2015



"Von Erftmühlen, Mehl und täglichem Brot"

Ausstellung: Grevenbroicher Mühlengeschichte(n) in der 'Villa Erckens'

 

"In historischer Zeit war die Erft die Lebensader Grevenbroichs!" So der Erste Beigeordnete der Stadt, Michael Heesch, bei der Eröffnung der Sonderausstellung in der 'Villa Erckens'. Und er fuhr bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste fort: "Durch die Einleitung von Sümpfwasser aus den Braunkohlentagebauen in den Fluss, die wechselnden Pegelstände und die Regulierung der Auen hat sich vieles verändert, auch für die klassischen Mehlmühlen."

Vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage nach dem Grundnahrungsmittel Brot im Zeitalter der Industrialisierung stellte Stadtarchivar Thomas Wolff in seinen Erläuterungen die im Laufe der Jahrzehnte eingetretenen Veränderungen in der Grevenbroicher Mühlenlandschaft dar. Fotos von Einst und Jetzt würden dies dem interessierten Besucher den Wandel sehr deutlich vor Augen führen. Die eindrucksvollen Ausstellungsstücke, darunter ein Schütz mit Zahnstange aus einer Staustufe, aber auch die schriftlichen Dokumente über die Aktivitäten der Getreide- und Ölmühlen im Stadtgebiet untermauerten die Stellung des Handwerks bei der Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Getreideprodukten.

Sechs Mühlenstandorte am Unterlauf der Erft sind nach Angaben des Archivars belegt. Die 'Gusdorfer Mühle' wurde urkundlich erstmals 1335 erwähnt, die 'Grevenbroicher Mühle', heute 'Kamper-Mühle', im Jahr 1273. Die 'Wevelinghovener Mühle' (aktuell: 'Mühle Kottmann') findet bereits im 12. Jahrhundert erste Erwähnung in einer Urkunde. Auch die schriftlichen Quellen für die 'Wevelinghovener Untermühle' ('Drees-Mühle') reichen bis in die Anfänge des 14. Jahrhunderts. Mit der 'Neubrücker Mühle' weniger Kilometer vor der Mündung der Erft in den Rhein bei Grimlinghausen wurde der letzte Mühlenbau im heutigen Grevenbroich drei Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtet. Rund um den alten Standort der 'Elsener Mühle' entstand ab 1809 ein Textilunternehmen, das mit den Namen Friedrich Koch und Oskar Erckens eng verbunden ist.

Der Sprung in die nahe Vergangenheit lässt erkennen, dass die alten Wassermühlen nicht unbedingt zu romantisch-idyllischen Relikten in der Kulturlandschaft herabgestuft werden sollten. Abgesehen von der Faszination, die immer noch von der alten Mahltechnik ausgeht, passen die Mühlen, entsprechend umgerüstet, bestens zu den Zielen, die permanente Wasserkraft zur Gewinnung von CO2-freier Energie zu nutzen, mehr oder weniger als Teil-Ersatz für die Stromerzeugung in Braunkohlekraftwerken.

Die Baulichkeiten der 'Elsener Mühle' sind 1943 im alliierten Bombenhagel zerstört worden. Für die 'Gustorfer Mühle' kam das Ende der Mehlproduktion im Jahr 1961 nach einem Großfeuer. In der 'Mühle Kamper' wurde sogar bis 2006 noch gemahlen. Die inzwischen restaurierte Anlage von 1908 zur Elektrizitätserzeugung über eine Francis-Turbine speist Strom für 150 Haushalte in das öffentliche Netz ein. Ebenfalls Strom mit dem Wasser der Erft "mahlt" die 'Drees-Mühle'. Die Getreideverarbeitung endete hier 1960. Der Betrieb der 'Neubrücker Mühle', um 1875 zur Sägemühle umgebaut, wurde 1956 zwangsweise eingestellt, da sich durch den Eingriff des Bergbautreibenden in den natürlichen Wasserhaushalt der Wasserstand der Erft zum Nachteil verändert hatte. Die 'Obermühle', seit 1894 im Besitz der Familie Kottmann, hat sich seit den 1990er Jahren zu einem der größten Mühlenbetrieb für die Verarbeitung von Dinkel entwickelt, dies allerdings ohne die Wasserkraft der Erft.

"Es klappert die Mühle am rauschenden Bach...", wie mancher von uns es noch im Kindergarten gesungen hat, ist längst vorbei. In den frühen 1950er Jahren gingen die Reste der klassischen deutschen Mühlenwirtschaft auf der Betreiben bestimmter politischer Kräfte und der Lobby der Groß- und Industriemühlen endgültig unter. Von den zu dieser Zeit noch aktiven 19 000 Mühlen sind heute deutschlandweit nur noch 300 in Betrieb, davon 20 in Nordrhein-Westfalen.

Wer eine kleine Zeitreise machen möchte, findet dazu bis zum 23. August in der Ausstellung zu den Grevenbroicher Erft-Mühlen gutes, gediegenes Anschauungsmaterial, wohl geordnet und beschriftet. Insgesamt: Klein, aber sehr fein! Volle Anerkennung für die professionelle Aufarbeitung des vielseitigen und vielschichtigen Themas "Molinologie", zu Deutsch: Mühlenkunde. Dem Stadtarchiv und den Sponsoren ist für das Angebot einer Lernstunde zu diesem Thema zu danken.

Volker H. W. Schüler

(RMDZ e.V.)

 


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